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ADOBE VOCO – FLUCH ODER SEGEN?

Dezember 8th, 2016

Als Adobe im August diesen Jahres das neuste Projekt namens VoCo auf der Adobe Max in San Diego vorstellte, hatte es etwas von einem Science Fiction Film und es fühlte sich sehr nach Zukunftsmusik an. Euphorie und Begeisterung gingen einher mit Bedenken und Sorgen.

Was vorgestellt wurde? Eine Computer-Sofware, welche in der Lage ist, Audiomaterial (Sprache) zu analysieren und zu verändern. Die Software lernt vereinfacht gesagt, wie eine bestimmte Person spricht und kann anschließend den Inhalt des Gesagten leicht oder aber deutlich verändern. Hierzu reicht es, den gewünschten Text mit Hilfe der Tastatur einzutippen und schon wird der Inhalt der Sprachaufnahme nach Belieben abgeändert.

Schiebt man zuerst einmal alle negativen Gedanken im Hinblick auf Manipulation und Missbrauch beiseite, so bleibt aus der Sicht eines Sounddesigners nur zu sagen, dass dies den Arbeitsalltag massiv vereinfachen könnte. Beispielsweise müsste bei fehlerhaftem O-Ton-Material (Setton, beim Dreh des Films vor Ort am Set mitgeschnitten) nicht gleich ein in der Regel großer logistischer (und finanzieller) Aufwand betrieben werden, um einzelne oder mehrere Schauspieler für nachträgliche Sprachaufnahmen (sog. ADRs) ins Studio zu bestellen, sondern das Problem ließe sich vielmehr per Tastendruck in einem Bruchteil der Zeit beheben. Es gibt wohl keinen (Film-)Tonschaffenden, der diese Option nicht mit Kusshand in die Werkzeugpalette aufnehmen würde.

Lässt man nun jedoch wieder alle negativen Gedanken zu, scheint dies nur ein weiterer Schritt in die Richtung zu sein, dass grundsätzlich nichts, im Bezug auf den medialen Kontext, mehr so ist wie es scheint. Angefangen mit nachträglich bearbeiteten Fotos, was mittlerweile zum Standardrepertoire eines jeden Hobby-Fotografen gehört, bis hin zu in Echtzeit bearbeiteten Handyvideos, in welchen den gefilmten Personen andere Gesichtszüge, quasi virtuelle „Masken“ aufgezogen werden und man somit nichtmal mehr sicher sein kann, wer einem im virtuellen Gespräch gegenübersteht. Die Bearbeitungsmöglichkeiten von Audiomaterial sind in den letzten Jahrzehnten ebenfalls stetig gewachsen und mit der neuen Adobe Software nun noch einmal erheblich verbessert worden. Dass all diese Technologien, sollten sie in die falschen Hände geraten, gezielt für manipulative Zwecke missbraucht werden können, scheint keine große Überraschung. Jedoch gilt es generell, der breiten Bevölkerung zu vermitteln, dass Medien niemals zwingend objektiv sind und in Zukunft noch kritischer hinterfragt werden muss, was und wie etwas medial verbreitet wird.

In allererster Linie bleibt bei uns jedoch das positive Gefühl, in Zukunft gewisse Arbeitsprozesse mit innovativer Software wie Adobe VoCo erheblich vereinfachen zu können und somit mehr Zeit für kreative Prozesse zur Verfügung zu haben.

 








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